Organisation und Hilfsmittel
Ein erfolgreicher Abstieg durch einen Canyon
ist vor allem das Resultat einer gründlichen
Vorbereitung. Sie besteht aus dem Wissen über
die besonderen Merkmale des Canyons, einer gezielten
Materialauswahl und aus der Zeitplanung. Am
Vorabend sollte die Vorbreitung abgeschlossen
sein. Desto besser man sich vorbereitet, desto
weniger unkontrollierbare Situationen entstehen.
Vorbereitung des Abstiegs
Nicht nur in den Schluchten selber können
Schwierigkeiten und Risiken auftreten. Zu einer
gründlichen Planung gehören auch Kenntnisse
über die Entfernung vom Ausgangsort, Abfahrtszeiten
und An- und Abmarsch über Privatgelände.
Zusätzlich stellt sich die Frage der Attraktivität
der Schlucht und der damit zusammenhängenden
Überfüllung durch andere Gruppen,
welche einen flüssigen Abstieg in der Schlucht
sehr behindern können. Es sollte immer
genügend Zeit eingeplant werden. Selbst
durch die eigene Gruppengrösse können
Wartezeiten auftreten.
Benötigtes Material
Das Material wird in verschiedene Bereiche eingeteilt.
Weiter wird das Material in zwei grössere
Hauptgruppen unterteilt, nämlich in "Persönliches
Material" und in "Gruppenmaterial".
Zum Gruppenmaterial gehört das Seil und
das Rettungsmaterial. Das Seil nimmt beim Canyoning
eine zentrale Rolle ein, wenn die Möglichkeit
für einen Sprung oder eine Rutsche entfällt,
bleibt sehr oft nur noch die Variante Abseilen
übrig. Aus topografischen Karten kann man
grundlegende Informationen bezüglich der
benötigten Seillänge entnehmen. Bei
grösseren Wassertiefen ist es von Vorteil,
längere Seile einzusetzen um das Seil auf
festem Grund besser ausziehen zu können.
Auf jeden Fall sollten immer genügend Seile
während einer Tour vorhanden sein, falls
man eines verlieren würde oder es nicht
mehr ausziehen kann. Zu den Seiltypen ist zu
sagen, dass es drei Seiltypen mit unterschiedlichen
Eigenschaften gibt:
1. Dynamisches Seil
Ein dynamisches Seil stellt Anfänger meist
vor Probleme. Beim dynamischen Seil ist der
Mantel verhältnismässig dünn,
aber die Reibungskräfte verteilen sich
auf längere Seilabschnitte. Dies stellt
in manchen Situationen einen Sicherheitsfaktor
dar. Da es dynamisch wirkt, kann es einen Sturz
bei einem möglichen Abstieg dämpfen.
Deswegen sollte immer auch ein dynamisches Seil
mitgeführt werden. Für den alltäglichen
Gebrauch in Canyons sind jedoch andere Seiltypen
empfehlenswerter.
2. Statisches Seil
Das Seil, oft aufgrund einer engen Flechtung
etwas steif, verfügt normalerweise über
einen robusten Mantel und erleichtert Anfängern
den Abstieg. Sehr problematisch ist bei diesen
Seilern die örtliche Konzentration der
Reibungskräfte. Bei vermehrter Benützung
sollte der Mantel regelmässig kontrolliert
werden. Leider schwimmt das Seil nicht, deswegen
besteht die Gefahr, dass sich das Seil nach
dem Ausziehen unter Wasser verfängt.
3. Canyoning-Seil
Dieses Seil ist speziell auf das Canyoning
abgestimmt. Grundsätzlich ist das Canyoning-Seil
ein statisches Seil, welches jedoch schwimmen
kann. Durch das Ersetzen von Polyamid durch
bis zu 100% Polypropylen treibt das Seil auf
der Wasseroberfläche.
Wichtigkeiten
Dazu sollte noch einige Kleinigkeiten erwähnt
werden. Trockene Seile sollten nie benützt
werden, beim Einstieg muss das Seil kurz ins
Wasser gelegt werden.
Wir benützen statische Seile. Sie halten
lange, sind relativ robust, und mit der richtigen
Abseiltechnik kann eine Konzentration der Reibungskräfte
verhindert werden. Leider sind momentan, nach
unserer Meinung, die Canyoning-Seile noch nicht
an die speziellen Belastungen in einer Schlucht
angepasst. Die Treibfähigkeit im Wasser
bringt trotzdem entscheidende Vorteile.
Rettungsmaterial
Gehen wir weiter zum Rettungsmaterial. Zu einer
gut ausgerüsteten Gruppe gehört auch
immer das Mindeste an Rettungsmaterial; zum
Beispiel für einen Selbstaufstieg. In einer
Gruppe werden Schlagzeug und Hammer benötigt,
falls die Haken beschädigt oder auch ausgeschlagen
sind. Einen Shunt, zwei Handsteigklemmen und
mehrere Reepschnurstücke werden für
den Selbstaufstieg benötigt. Ergänzend
zu diesem Material sollten auch immer genügend
Schlingen und Karabiner vorhanden sein, wie
auch zusätzliche Abseilgeräte. In
einem tiefen Polo wird ein Karabiner nie mehr
gefunden!!
Zum persönlichen Material gehört die
Bekleidung, Sitzgurt und Schuhe, Reiseapotheke
wie auch eine kleine Essensration. Ich beginne
mit der Bekleidung. Der komplette Neopren-Anzug
bietet nicht nur Schutz gegen Schürfungen
und Verletzungen an der Haut, er hält den
Körper auch warm. Die Kleidung setzt sich
aus Hose oder Latzhose und einer Kapuzenjacke
zusammen oder direkt aus einem ganzen Kombi.
Teilweise ist auch Polyester-Kleidung unter
dem Anzug zu empfehlen. Vielleicht besser bekannt
als "Odlo-Ware".
Die kleine Apotheke in einer wasserdichten Tonne
muss bei jeder Tour dabei sein. Empfehlenswert
ist, vorher untereinander abzusprechen was alles
mitgenommen wird. Es sollte eine komplette Ausrüstung
mitgetragen werden. Zusätzlich darf eine
kleine Notration nicht vergessen werden. Beim
grossen Energieverlust in der Schlucht sind
Riegel oder ähnliches sehr praktisch. Da
diese zudem noch kaum Platz benötigen,
ist es ratsam bei jeder Tour einige davon dabei
zu haben. Das Hauptproblem in einem Canyon,
bezogen auf die Nahrung, ist die Unterzuckerung.
Durch das wiederholte Tauchen verliert man gerade
beim Canyoning viel an Energie. Anzeichen für
Unterzuckerung sind Heisshunger, Brechreiz,
Übelkeit, Erschöpfung, Schweissausbrüche,
Schwindelgefühle und manchmal eine Beeinträchtigung
oder Verlust des Bewusstseins. Deswegen sollte
man vorbeugende Massnahmen ergreifen und vor
einer Tour genügend Zucker zu sich nehmen
(Getreideflocken, Müsli, Brot, Teigwaren
etc.). Während des Abstiegs sollten man
immer "schnelle Zucker" in Griff nähen
haben (Dexrose, Trauben, Schokolade etc.). Laufend
sollte auch Flüssigkeit zu sich genommen
werden, weil genügend Trinken auch in Canyons
wichtig ist (Achtung -> verschmutztes Wasser).
Kälte
Die Kälte ist auch immer ein Faktor, welche
für einen sicheren Abstieg berücksichtigt
werden muss. Damit nicht 30 % der Körperwärme
über den Kopf verloren geht, sollte man
unbedingt eine Neoprenkapuze tragen. Mit kalten
Händen hat man ein schlechtes oder gar
kein Gefühl, was beim Arbeiten mit den
verschiedenen Geräten zum Problem werden
kann. Kälte drückt zudem auf die Nerven
und das Gemüt. Man kann sehr schnell Motivationslos
werden. |